RADPILGERN IN BAYERN

in Bewegung sein - In Bewegung bleiben              Radpilgern - Das Interview

Anbei das komplette Interview mit Jochen Nitz

 

1.      Was genießen Sie beim Fahrradfahren besonders?

 

Zeit zu haben, abzuschalten, auszusteigen, aufzuatmen, frei zu werden, leer zu werden, sensibel zu werden, mich wieder lebendig zu fühlen, zu erleben, wie die Sinne erwachen, die große Stille im Kopf in einer Kirche, das Schweigen in einem Gotteshaus, die Luft, der Regen, die Sonne, ein Teil der Schöpfung zu sein und zu spüren… aufzuleben, die Gemeinschaft mit Menschen, mit mir und mit Gott.

 

 

2.      Was unterscheidet eine normale Fahrradtour von einer Radpilgertour?

 

Äußerlich zunächst nicht viel – die Jakobus Radpilgerwege sind faszinierende Radfernwege im Bayernnetz für Radler, oft sehr einsam, nicht von Overtourism belastet, Entdeckertouren durch ein unbekanntes aber faszinierendes Deutschland, von Hof bis Konstanz, von Coburg bis Lindau, von Fulda bis Nonnenhorn. Ich fahre als ADFC Tourguide diese Touren im ganz normalen Programm des ADFC Landsberg am Lech.

Radpilger zu werden ist eine Veränderung der inneren Haltung zu diesem Weg, und die Entdeckung der verborgenen Schätze eines Jakobusweges. Dazu gehören berührende Kirchen, Stille, eine „Spiritualität in Radlerhose“ mit einer verständlichen Sprache auch für „unchurched people“ – aber auch die verborgenen Gedanken und Schätze in uns selbst, die verborgenen Schätze im Gegenüber einer Radpilgergruppe und das große Geschenk Zeit zu haben. Zeit für Gedanken, die verdrückt wurden, Zeit für Nichts, Zeit achtsam zu werden für unser Leben, unsre Welt unseren Gott. Zeit Gedanken der Vergangenheit emporsteigen zu lassen und Zeit diese neu zu ordnen und damit Sinn zu finden. „Radfahren mit Sinn und allen Sinnen“ nennen wir das.

Ob es eine Radtour oder ein Radpilgerweg wird, entscheiden wir oder wird in uns entschieden.

Wir folgen den Basics der Pilgerschaft, brechen an jedem Morgen auf, egal wie das Wetter sein mag, nehmen den Tag als Geschenk an in all seinen Fassetten, leben einfach und haben unser Gepäck auf das Notwendige reduziert, freuen uns an den verborgenen Schätzen, die wir auf unserem Pilgerweg finden und sammeln Stempel in unserem Pilgerpass. Bleiben an Orten, die uns anziehen und berühren und fahren immer weiter (Ultreia! Der Ruf der Jakobuspilger „immer weiter!“), suchen Stille in Kirchen und an schönen Orten, sammeln Pilger Er-fahrungen und lassen uns überraschen von jedem neuen Tag.

Niemand verleiht uns das Prädikat „Pilgernder“ – wir selbst empfinden uns vielleicht auf einem Pilgerweg – oft hängen Radpilgernde in diesem Moment eine Jakobusmuschel als äußeres Zeichen an ihr Rad.

 

 

3.      Was muss man unbedingt dabeihaben?

 

Zeit, ein wenig Geld, noch weniger Gepäck, ein gutes Rad, wenn GPX Navigation möglich ist die GPX Tracks von der Seite www.radpilgern-bayern.de und den ausgedruckten Pilgerführer, den ich für jeden vollständig beschilderten Jakobus Radpilgerweg schreibe und als pdf kostenfrei zur Verfügung stelle.

Wir geben uns große Mühe, mit dem Rad Muschel Zeichen den Jakobus Radpilgerweg perfekt zu markieren, so dass die Jakobsmuschel die Radpilgernden führt, so wie auf Pilgerwegen die Fußpilgernden geführt werden.

 

 

4.      Ihre Lieblingsstrecke

 

Nachdem 2200 Kilometer bereits mit dem Rad Muschel Zeichen markiert sind, möchte ich die aktuellen Top 3 angeben – allerdings entdecken wir bei der Beschilderung ständig neue, fantastische Wege, so dass sich diese „Hitparade“ ständig verändert:

 

Platz 3 – der Steigerwälder Jakobusradpilgerweg von Bamberg nach Rothenburg

 

Platz 2 – der Bayerisch-schwäbische Jakobusweg West von Augsburg über Memmingen durch das Allgäu nach Lindau an den Bodensee

 

 

Platz 1 – gerade in der Beschilderung – der Oberfränkische Jakobusweg von Hof durch den Naturpark Fichtelgebirge nach Bischofsgrün und durch die Fränkische Schweiz nach Nürnberg